Josef Trottmann – Der Mann, der Herden liest
Wenn Josef Trottmann den Unterrichtsraum betritt, bringt er häufig Kräuter, Blätter oder kleine Naturfunde mit, die seinen Unterricht lebendig machen. Pflegewissenschaft verbindet sich bei ihm mit Wahrnehmungsschulung, Beziehungskultur und einer genauen Beobachtungsgabe. Lernende erleben bei ihm einen Dozenten, der Wissen vermittelt und gleichzeitig Horizonte öffnet. Trottmann ist jemand, der die Dynamik einer Pferdeherde ebenso präzise versteht wie die einer Klasse. Ein Mensch, dessen Biografie vor Vielfalt strahlt.
Ein Berufsweg voller Energie
Die Stationen seines Lebens wirken wie die Kapitel verschiedener Romane: Energieanlagenelektroniker mit Schwerpunkt Maschinenbau. Krankenpfleger. Masseur und medizinischer Bademeister. Pflegemanager mit Fokus auf Personal‑ und Organisationsentwicklung. Praktika in New York. Unterricht an Pflegeschulen in Schwandorf, Plattling, Bayreuth, Amberg und München.
Parallel dazu führt Trottmann seit fast vier Jahrzehnten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Anfangs konventionell, später als Biobetrieb mit Naturschutzprojekten. Seit 2018 entwickelt er seinen Hof als Pferdehof mit eigener Zucht.
In all diesen Tätigkeiten zeigt sich: Trottmann übernimmt Verantwortung. Für Menschen, Tiere, Landschaften und Strukturen. Seine Arbeit bei der GGSD spürt man diese Haltung an jedem Unterrichtstag.
An den Münchner Pflegeschulen vermittelt er Themen der Zukunft: Komplementäre Heilmethoden, ökologische und ökonomische Zusammenhänge in Einrichtungen, Digitalisierung der Pflege, Versorgungsstrukturen, Rehabilitation, Qualitätsmanagement sowie onkologische und neurologische Pflege von Kindern. In der Fort‑ und Weiterbildung prägt er das Feld Sozialökonomie, Finanzierung und Investition.
Die Herde als Lehrmeisterin
Eine Besonderheit seines pädagogischen Stils ist sein Blick auf das Zusammenleben. Die Pferde auf seinem Hof sind soziale Wesen mit feiner Wahrnehmung. Sie kommunizieren mit klaren Körpersignalen, feinen Bewegungen und einer bemerkenswerten Präsenz. „Pferde zeigen, was gerade stimmig ist“, sagt er. „Sie reagieren auf Gefühle und auf jede kleine Veränderung.“
Wer mit Trottmann spricht, spürt: Diese Haltung beeinflusst seine Art zu lehren. In der Schule bewegt er sich in sozialen Gruppen, ähnlich wie in einer Herde. Jede Klasse hat ihre Dynamik. Jeder Mensch sendet Signale. Jede Interaktion prägt das Miteinander.
In Seminaren mit Führungskräften führt er diese Erfahrung vor Augen. Die Aufgabe lautet, ein Pferd oder Pony durch den Paddock zu begleiten. In vielen Fällen bleibt das Tier stehen. Es wartet auf Kontakt, Präsenz, Vertrauen. Auf ein echtes Gegenüber. Führung entsteht für Trottmann aus Wahrnehmung, Klarheit und Beziehung. Diese Prinzipien können Pferde hervorragend spiegeln.
Natur als tägliche Inspiration
Die Natur bildet den Boden seines Denkens. Er beginnt den Tag mit Wassertreten, mit Barfußlaufen im Schnee oder mit kleinen Ritualen, die ihn mit der Jahreszeit verbinden. Nachhaltigkeit ist ihm wichtig: Aus Gemüseresten entstehen Gewürzbrühen, Zwiebelschalen verwandeln sich in aromatische Salze, Pferdemist bereichert die Böden und lockt Vögel an. Walnussblätter nutzt er als Einstreu, die gleichzeitig antiseptisch wirkt.
Seine Pferde wählen selbst die Kräuter, die sie brauchen: Schafgarbe zur Beruhigung des Magens, Walnussblätter zur Stärkung. Der Walnussbaum gehört zu seinen Lieblingsbäumen. Sein Schatten bietet der Herde Geborgenheit und sein Duft hält Insekten fern.
Lernen unter Bäumen
Im GGSD Bildungszentrum München verlegt Trottmann Unterricht häufig in den Garten. Alte Bäume und ein Outdoor‑Klassenzimmer schaffen Raum für Erfahrungen, die über das Lehrbuch hinausgehen. Er bringt Pflanzen mit, führt Yogaübungen an der frischen Luft an oder lädt zu Bewegungssequenzen ein, die das Lernen beleben.
Seine Botschaften an die Lernenden sind klar:
- Pflege eröffnet große Chancen.
- Eigene Träume verdienen Schutz.
- Menschen begegnen einander mit Respekt.
- Natur schenkt Kraft und Orientierung.
- Glück braucht Pflege – im eigenen Leben wie im Beruf.
Ein Satz begleitet seine Klassen besonders oft: „If you can dream it, you can do it.“
Engagement aus Überzeugung
Seit über zwanzig Jahren ist Trottmann Botschafter für krebskranke und körperbehinderte Kinder im VKKK Ostbayern. Dieses Ehrenamt prägt ihn tief und verbindet sich eng mit seinen Themen: die Gesundheit von Kindern, Unterstützung für Familien, Naturschutz und eine Kultur der Fürsorge.
Er liest leidenschaftlich – Krimis, historische Werke, Natur‑ und Sachbücher. Schulbücher sammelt er seit seiner Kindheit. Er kocht gerne. Er läuft begeistert lange Strecken. Und immer wieder kehrt er zurück zu Pferden, Wäldern und Feldern, die ihm Kraft schenken.
Blick nach vorn
Für Pflegeberufe wünscht sich Trottmann ein neues Verständnis von Gemeinschaft. Nicht die lautesten Stimmen prägen die Herde – die Qualität entsteht im Zusammenspiel. Für Bildungsprozesse wünscht er sich mehr Bewegung, mehr Offenheit, mehr Erfahrungen jenseits der klassischen Räume. Seine Werte: Respekt, Dankbarkeit, Engagement und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur.
„Ich bin ein Wildpferd“ – ein Lebensgefühl
Zum Schluss wird Trottmann persönlich: „Wenn ich mich beschreiben soll, sehe ich mich als Wildpferd. Menschen, die mir Raum geben, begleite ich mit voller Kraft. Freiheit bedeutet mir viel – und darin finde ich meine Stärke.“
An der GGSD München fühlt er sich angekommen. Er erlebt ein Team, das ihn wertschätzt, und eine Schulleitung, die Vertrauen schenkt. „Hier erfüllen sich Träume“, sagt er. „Jeden Tag aufs Neue.“