Im Rahmen der curricularen Einheit „Hospizarbeit und Sterbebegleitung – umfassender Pflegebedarf in kritischen Lebenssituationen“ besuchten Schülerinnen und Schüler des dritten Ausbildungsjahres der Berufsfachschule für Pflege an der GGSD am 12. März 2026 das Chiemsee Hospiz in Bernau. Begleitet wurden sie von ihrem Fachlehrer Benjamin Wülfert, der die Exkursion als zentralen Baustein der praxisnahen Auseinandersetzung mit palliativer Pflege gestaltete.
Der Besuch bot den angehenden Pflegefachfrauen und -männern eindrucksvolle Einblicke in die hochprofessionelle Arbeit eines stationären Hospizes. Im Mittelpunkt standen die individuelle Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase, die Zusammenarbeit mit Bezugspersonen sowie die Bedeutung einer einfühlsamen, würdevollen und kultursensiblen Pflege.
Während einer ausführlichen Führung durch die Einrichtung erhielten die Auszubildenden Einblick in die interdisziplinäre Zusammenarbeit, in pflegerische und psychosoziale Konzepte sowie in die Abläufe von Aufnahme bis Abschied. Mitarbeitende des Hospizes schilderten authentisch ihren Arbeitsalltag und sprachen über Themen wie Hoffnungslosigkeit, Sinnkrisen, Therapie- und Nahrungsabbruch, aber auch über Ressourcen, Lebensqualität und das Zulassen persönlicher Abschiedsprozesse.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Pflegefachpersonen in komplexen familiären Situationen: von Rollenüberlastung der pflegenden Angehörigen über belastete Familienprozesse bis hin zu Fragen der Religiosität, Sinnfindung und psychosozialen Unterstützung. Die Schüler hatten Gelegenheit, Fragen zu stellen und in respektvoller Atmosphäre über ihre eigenen Erfahrungen aus Praxiseinsätzen zu sprechen.
„Für die Auszubildenden ist diese Auseinandersetzung unverzichtbar“, betont Lehrer Benjamin Wülfert. „Hospizarbeit macht die tiefste Dimension pflegerischen Handelns erlebbar: das Begleiten von Menschen und ihren Familien in verletzlichen Momenten, mit Empathie, Fachlichkeit und Nähe – aber auch mit professioneller Distanz und Selbstfürsorge.“
Der Besuch deckte zahlreiche Kompetenzen aus dem Lehrplan ab, darunter pflegerische Beziehungsgestaltung, Kommunikation in Krisensituationen, ethische Entscheidungsfindung, interprofessionelle Zusammenarbeit sowie die Unterstützung von Bezugspersonen und sozialen Netzwerken. Gleichzeitig bot er den Schüler*innen einen geschützten Raum, um eigene Haltungen, Emotionen und Deutungsmuster zu reflektieren – ein Kernaspekt professioneller Pflege.
Die Exkursion endete mit einem offenen Austausch, in dem viele Auszubildende betonten, wie wertvoll und berührend diese Begegnungen für ihre persönliche und fachliche Entwicklung seien.
Text, Fotos: Benjamin Wülfert